Training mit Diabetes: Das musst du als Fitnesstrainer beachten!

Training mit Diabetes: Das musst du als Fitnesstrainer beachten!

Blutzucker

Inhaltsverzeichnis

  1. Arten von Diabetes
    1. Diabetes Typ 1 
    2. Diabetes Typ 2 
    3. LADA Diabetes
  2. Symptome & Nebeneffekte
  3. Training mit Diabetes
    1. Positive Auswirkungen
    2. Risiken
    3. Trainingsempfehlungen
  4. Fazit

Im Jahr 2019 gab es über 9 Millionen Diabetiker in Deutschland – Tendenz steigend. Diabetes mellitus oder umgangssprachlich Zuckerkrankheit, gehört damit zu den Volkskrankheiten. Als Fitnesstrainer wird man relativ häufig damit konfrontiert. Deshalb ist es als Trainer wichtig zu wissen, was Diabetes mellitus ist, wie man das Training mit Diabetes gestaltet und was es es allgemein zu beachten gilt.

Arten von Diabetes

Es gibt viele verschiedene Arten von Diabetes. Die häufigsten kommen Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2 vor. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Arten von Diabetes. Beispielhaft zu nennen wären hier die Schwangerschaftsdiabetes und LADA. 

Als Fitnesstrainer wird man meistens mit Menschen, die entweder Diabetes Typ 1 oder Typ 2 haben, arbeiten.

Auf diese beiden und auf LADA wird im Zuge dieses Artikels näher eingegangen.

Kohlenhydrate und Insulin

Damit wir Diabetes verstehen, ist wichtig zu wissen, wie Kohlenhydrate im Körper verstoffwechselt beziehungsweise verdaut werden.

Nehmen wir Kohlenhydrate zu uns, werden diese durch die Verdauung zu Einfachzucker in Form von Glukose gespalten. Die Glukose gelangt in das Blut und der Blutzuckerspiegel steigt. Da der Körper den Blutzuckerspiegel eigentlich konstant halten will, möchte er den Zucker verwerten oder speichern. Hierfür stößt die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus.

Kohlenhydrate

Dieses Insulin gelangt in die Blutbahn und wirkt wie ein Schlüssel zu den Zellen. Die Glukose gelangt so in die Zellen und wird entweder direkt verwendet oder gespeichert. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel wieder. So weit, so gut.

Diabetes Typ 1

Typ 1 Diabetes ist seltener als die Typ 2 Diabetes. Ungefähr fünf Prozent der Diabetiker leiden an Typ 1. Diese Art von Diabetes beschreibt einen kompletten Insulinmangel. Die Bauchspeicheldrüse stellt also kein Insulin mehr her. Diabetes Typ 1 tritt meistens im Kindes- und Jugendalter auf. 

Ursache

Hinter Diabetes Typ 1 Diabetes steckt eine Autoimmunerkrankung. Hierbei zerstören Antikörper Zellen in der Bauchspeicheldrüse, welche das Insulin produzieren sollen. Wieso die Antikörper überhaupt angreifen, konnte bisher wissenschaftlich nicht gänzlich geklärt werden. 

Behandlung

Frau Diabetes Spritze

Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. Dementsprechend müssen Diabetiker des Typ 1 ein Leben lang das Insulin spritzen. Nur so, kann ein angestiegener Blutzuckerspiegel wieder gesenkt werden.


Diabetes Typ 2

Der Anteil der Typ 2 Diabetes an den Diabetes Erkrankungen beträgt über 90 Prozent. Sie kommt damit am häufigsten vor. Im Gegensatz zu Diabetes Typ 1, ist hier allerdings zunächst genug Insulin vorhanden. 

Die Krankheit beginnt damit, dass das Insulin nicht mehr vollständig seine Aufgabe erfüllen und wirken kann – auch gennant Insulinresistenz

Um diese verringerte Wirkung des Insulins auszugleichen, schüttet die Bauchspeicheldrüse anfangs einfach mehr Insulin aus. Dies kann einige Jahre lang gut gehen, doch irgendwann schafft es die Bauchspeicheldrüse nicht mehr, genug Insulin auszuschütten und den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Diabetes Typ 2 entsteht. 

Obwohl der Körper also enorm viel Insulin ausschüttet, genügt die Insulinmenge irgendwann nicht mehr, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

Auch hier kann es mit der Zeit dazu kommen, dass der Körper gar kein Insulin mehr produziert und man wie bei Diabetes Typ 1 Insulin spritzen muss.

Ursache

Es gibt mehrere Gründe für die Entstehung. Allen voran sind Übergewicht, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, genetische Faktoren und eine allgemein ungesunde Lebensweise (inklusive Stress) zu nennen.

Mann auf Sofa

 LADA-Diabetes (Zwischenform)

LADA steht für “latent autoimmune diabetes in adults”. Übersetzt bedeutet das: verzögert auftretende, autoimmun bedingte Diabetes bei Erwachsenen. Sie ist eine Sonderform der Diabetes Typ 1.  Typ 1 Diabetes entsteht allerdings fast immer im Kindesalter. LADA-Diabetiker sind dagegen meist über 30 Jahre alt.

Es wird vermutet, dass circa zehn Prozent der diagnostizierten Typ 2 Diabetiker eigentlich an der LADA-Diabetes leiden.

Ursache

Ähnlich wie bei Diabetes Typ 1, ist die LADA-Diabetes autoimmunbedingt. Auch hier werden Antikörper gebildet, welche die Insulinproduzierenden Zellen zerstören. Allerdings dauert der Prozess der Zerstörung deutlich länger und verläuft schleichender als bei der Diabetes Typ 1.

Ähnlich wie der Diabetes Typ 1, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden, wieso die Insulinproduzierenden Zellen angegriffen werden. 

Behandlung 

Anfangs sollte vor allem eine Ernährungsumstellung vorgenommen werden. Außerdem werden häufig Medikamente verwendet. 

Im weiteren Krankheitsverlauf sind dann nicht selten Insulinspritzen notwendig. Zur Erinnerung: Bei Diabetes Typ 1 muss von Anfang an Insulin gespritzt werden. 

Symptome & Nebeneffekte

Symptome

Bei Diabetes mellitus kann es zu ganz unterschiedlichen Symptomen kommen. Beispielhaft zu nennen sind folgende:

  • Starker Wasserverlust 
  • Durst 
  • Müdigkeit
  • Süßlicher Geruch des Urins (viel Zucker im Urin)
  • Acetongeruch aus dem Mund (ähnlich wie Nagellack). 

Vor allem Betroffene von Diabetes Typ 2 haben jahrelang keine Symptome. 

Training mit Diabetes

Beim Training mit Diabetikern müssen sowohl die positiven Auswirkungen von Sport als auch die Risiken beachtet werden. In Bezug auf Diabetes hat Training vor allem positive Effekte auf Typ 2. Typ 1 wird ohnehin nie auf die Insulinspritzen verzichten können. Nichtsdestotrotz ist Training, Sport und Bewegung natürlich auch für Diabetiker Typ 1 gesund und sie können von den anderen zahlreichen Vorteilen profitieren. 

Diabetes an sich hält einen nicht von sportlichen Höchstleistungen ab! Beachtet man seinen Blutzuckerspiegel kann man normal trainieren. Der ehemalige Gewichtheber und Olympiasieger, Europameister und Weltmeister Matthias Steiner hat beispielsweise Diabetes Typ 1.

Positive Auswirkungen von Sport auf Diabetes Typ 2

1. Durch Training kann die Insulinsensitivität wieder ansteigen. Dadurch wird wieder weniger Insulin nötig, um die gleiche Zuckermenge in die Zellen zu transportieren. Falls man bereits Insulin spritzen muss, kann man die Menge entsprechend reduzieren (natürlich in Absprache mit dem Arzt).

2. Das Risiko für Blutgefäßerkrankungen verringert sich wieder.

3. Die Glukoseaufnahme steigt wieder.

4. Körpergewicht zu verlieren wird einfacher (Übergewicht ist der größte Risikofaktor für Diabetes Typ 2).

5. Die Blutzuckerkonzentration sinkt während sportlicher Belastung. Ein Teil der Glukose kann direkt wieder verwendet werden.

Risiken beim Sport mit Diabetes Typ 2

Um genügend Zucker im Blut zu haben, beträgt der Richtwert für Blutzucker bei Diabetikern vor dem Training 130-200 mg/dl. Dadurch vermeidet man, in den Unterzucker zu kommen. Vor allem Anfänger, sollten den Wert regelmäßig messen. Es ist zu empfehlen ihn vor, während und nach dem Sport zu messen.

So erfahren Betroffene, wie sich die Werte während dem Training verändern und können das weitere Vorgehen mit dem Arzt besser besprechen. 

Hypoglykämie (Unterzucker)

Unterzucker ist deutlich gefährlicher als Überzucker und kann tödlich sein. Wenn der Blutzuckerwert vor dem Training unter 60 mg/dl liegt, sollte man definitiv kein Sport machen. Sollte man einen zu geringen Blutzuckerwert bemerken und bereits spritzen, sollte man die Insulingabe vor dem Training verringern oder mehr Kohlenhydrate zuführen.

Sollte es während dem Training zu aggressivem Verhalten oder Schweißausbrüchen kommen, sollte man als Trainer oder Betroffener nicht lange überlegen, ob es Über- oder Unterzucker ist, sondern sofort schnelle Kohlenhydrate (z.B. in Form von Traubenzucker) zuführen. So ist man auf der sicheren Seite und vermeidet den gefährlichen Unterzucker.

Außerdem sollte man als Diabetikern den Nachbrenneffekt noch beachten. Denn nach dem Training sind die Zellen noch insulinsensitiv. Die normale Dosis an Insulin zu spritzen, welche man ohne Sport zugeführt hätte, wäre in diesem Fall zu viel. Deshalb sollte man vor dem Training und dem Schlafengehen nochmals messen, denn der Nachbrenneffekt muss nicht nur nach dem Training gegeben sein, sonder kann sich auch noch abends oder am nächsten Tag auswirken. 

Hyperglykämie (Überzucker)

Man spricht von Überzucker, wenn der Wert über 250 mg/dl liegt. Auch hier sollte man das Training sein lassen und ggf. einen Arzt aufsuchen. 

Trainingsempfehlungen

Ältere Frau trainiert

Grundsätzlich kann man eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining empfehlen. Die genaue Trainingsgestaltung dies ist natürlich abhängig von verschiedenen Faktoren:

  • Alter
  • Generelle Fitness
  • Aktuelle sportliche Belastung bzw. Bewegung
  • Schwere der Diabetes
  • Vorlieben

Bezüglich des Krafttrainings können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Langsam “rantasten”
  • 2-3 mal pro Woche 
  • Ganzkörper-Training
  • 10-20 Wiederholungen
  • Training im submaximalen, nicht im maximalen Bereich

Das Training soll natürlich trotzdem fordern und nicht zu leicht sein. Nur so kann man positive Anpassungserscheinungen erwarten.

Bezüglich des Ausdauertrainings können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Langsam “rantasten”
  • 2-3 mal pro Woche 
  • Keine kurzen und intensiven Belastungen (z.B. Intervalltraining)
  • 20-30 Minuten 

Die 20-30 Minuten sind recht weit unten angesetzt, da man so den Unterzucker besser vermeidet. Bei mehr Trainingserfahrung und einer besseren Fitness, kann man das Ausdauertraining sowohl im Umfang als auch in der Frequenz steigern, wenn man möchte.

Fazit

Fehlender Sport beziehungsweise fehlende Bewegung in Kombination mit einer falschen Ernährung und Übergewicht begünstigt die Entstehung von Diabetes mellitus enorm. Kehrt man das Ganze nun um, trainiert regelmäßig und ernährt sich gesünder, ist es durchaus möglich die Typ 2 Diabetes erheblich zu verbessern. Durch eine gesunde Ernährung, Training und eine gesunde Lebensweise kann man Diabetes natürlich schon präventiv sehr gut vorbeugen!

Das zeigt uns mal wieder, wie wichtig und effektiv Fitnesstraining ist.

Quellen

0
    0
    Warenkorb
    Ihr Warenkorb ist leerZum Shop zurückkehren
      []